In Zusammenhang mit dem modernen Wushu erregt vor allem die Bezeichnung
"Standarddisziplin" Aufsehen beim kampfsportinteressierten Publikum. Die
"Standarddisziplinen" sind das vorläufige Ergebnis jahrelanger intensiver
Bemühungen der führenden Kampfkunst-Experten Chinas um eine sinnvolle und
verbindliche Form der Systematisierung und Kategorisierung.
Hierbei stand man in erster Linie vor dem Problem, für eine fast unüberschaubare
Vielzahl traditioneller Wushu-Stile ein einheitliches Trainings, Wettkampf und
Prüfungsverfahren zu entwickeln. Die altbekannte Einteilung des Wushu in
eine harte, äußere, sowie eine weiche, innere Schule (bei uns besonders
durch das Tai Ji Quan bekannt!) stellt einen ersten Versuch eines solchen Verfahrens dar.
Die harte Schule selbst, die auf die große Tradition des Shaolin- Tempelboxens zurückgeht,
wird wiederum in zwei Schulen unterteilt, die nördliche und die südliche.
"Nördliches Bein - südliche Faust" ist eine gebräuchliche Redensart in China,
die stark vereinfacht die grundlegenden Unterschiede beider Stilrichtungen deutlich macht.
Im nördlichen Stil, gegenwärtig "Langfaust" genannt, liegt der Schwerpunkt auf
spektakulären Beintechniken und graziösen, fast ballettartigen Sprungbewegungen.
Auch Waffen werden in großer Vielfalt eingesetzt, u.a. Schwerter, Säbel,
Speere, Stöcke und Hellebarden.
Die "Südliche Faust" konzentriert sich auf kraftvolle Fauststöße und den
Nahkampf, wobei auch Kampfschreie Verwendung finden. Diese traditionell chinesische
Gliederung bildet die Grundlage unserer heutigen "Standarddisziplinen", die überlieferte
Grundformen und charakteristischen Stilmerkmale der jeweiligen Schule bewahrt und aktualisiert haben.
Der sportliche Wushu Wettkampf unterteilt sich nun, ähnlich den hierzulande bereits
im Sportgeschehen etablierten Kampfsportarten, in Formen (Tao Lu) und Freikampf (San Shou).
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